Kleine Stoffkunde

19.01.2017 10:16

Kleine Stoffkunde - denn Loop ist nicht gleich Loop!

Jeder von uns ist doch auf der Suche nach seinem besonderen Lieblingsteil. Egal ob Tuch, Mütze, Klamotten oder Schuhe. Für jeden ist das Besondere etwas anderes. Geschmäcker sind ja schließlich verschieden - alles andere wäre auch echt langweilig!

Bei mir war oft das Problem, dass ich eine genaue Vorstellung im Kopf hatte wie etwas ausschauen muss. Die Farbe, das Muster und manchmal auch die Details. Wenn ich dann los gegangen bin um es mir zu kaufen, gab es natürlich meine Vorstellung so nirgends zu kaufen. Also habe ich mir irgendwann gedacht, ich muss selbst Hand anlegen. Bin ja nicht ganz ungeschickt und kreativ nennen mich auch einige. Nähmaschine stand da und Entwurf hatte ich im Kopf. Ok!

Wenn ich nun aber anfangen möchte mir etwas wundervolles selbst zu nähen (in meinem Fall ein Tuch oder Loop), mit was fange ich an? Genau, nach Stoffen mit tollen Farben und Mustern zu stöbern. Stoffe die meiner Vorstellung so nah wie möglich kommen. Soll ja schließlich zauberhaft ausschauen mein Selfmade Teil. Genau da erleben dann die ersten Schiffbruch. Denn so einfach mal drauf los ist meistens hinterher eine Katastrophe und Frust macht sich breit. (Ich könnte euch da Geschichten erzählen)

Auch ich habe mich anfangs fast schon starr auf tolle Farben, ausgefallene Muster und schließlich auch auf die Preise konzentriert. Das Ende vom Lied: der erste Stoff war bestellt, vernäht und das Endprodukt war so gar nicht das was ich mir vorgestellt hatte. Warum? Es sollte weich und anschmiegsam sein - stattdessen war es starr und steif. Blöd!

Regeln bei der Stoffauswahl

Du solltest unbedingt eine Unterscheidung zwischen Faser und Seitenausrichtung vornehmen!

Na toll, was ist das denn jetzt wieder denkst du sicherlich.

Die Fasern sind vielleicht nicht für alle sooo bedeutend. Letztlich geht es darum ob du eine Naturfaser oder eine chemische Faser möchtest. Die Naturfasern lassen sich dann noch mal in pflanzliche oder tierische unterscheiden (für Veganer sicher von Bedeutung). Aber auch chemische Fasern werden aus natürlichen Rohstoffen hergestellt. Die Stoffe werden allerdings durch bestimmte Verfahren hergestellt, die nicht mehr der natürlichen Art entsprechen. Außerdem unterscheidet man auch bei der chemischen Faser noch mal zwischen auf Zellulosebasis hergestellten Stoffen und synthetisch hergestellten Stoffen. Ein Beispiel ist die Viskose - ein auf Zellulosebasis hergestellter Stoff aus dem Rohstoff Holz (aber auch Modal und Acetat zb). Synthetische Stoffe dagegen werden auf Basis von Öl, Gas, Alkohol, Wasser und Sauerstoff hergestellt. Leider lassen sich diese Fasern in unserer Modernen Welt nicht mehr wegdenken, da zum einen die natürlichen Rohstoffe jetzt schon begrenzt ist und es letztlich auch enorme preisliche Unterschiede gibt. Um mal Beispiele für chemische Fasern zu nennen, so sind dir sicher Polyester, Polyamid, Polyacryl und auch das gute alte Elasthan bekannt.

Zu guter letzt gibt es aber auch Mischungen aus Natur- und chemischen Fasern wie zb Baumwolljersey (meist aus 95-98% Baumwolle und Elasthan). Soviel nur mal zur Erklärung und für den ein oder anderen umweltbewussten Stoffkäufer ja vielleicht entscheidend.

Was wirklich wichtig ist für deine Stoffauswahl

Größeres Augenmerk und damit entscheidender ob die Vorstellung die man im Kopf hat zu verwirklichen ist, ist die Unterscheidung der Stoffausrichtung bzw. die Stoffeigenschaften. Um dein Projekt verwirklichen zu können sind somit wirklich von Bedeutung:

- schwer oder leicht

- steif oder fließend

- elastisch oder nicht

- Formbeständigkeit (sollte nicht zu stark einlaufen)

- kühlende oder wärmende Eigenschaft

Als ich mit dem Nähen anfing, kannte ich Baumwollstoffe (und wusste auch wie sie sich anfühlen) und Jersey. Die 2 haben einen großen Unterschied den fast jeder Anfänger kennt: Baumwolle ist eher fest und Jersey kann ich sozusagen "Dehnen". Vom vernähen möchte ich noch gar nicht sprechen, denn das ist dann eine andere Geschichte.

Da letztlich die Stoffeigenschaften eine große Rolle spielen, möchte ich dir hier eine einfache Übersicht zu den einzelnen Stoffen geben. Vorwiegend sind es die Stoffe die ich auch selbst für meine Tücher und Loops verwende. Interessant ist dies sicher für dich, solltest du vorhaben dir dein eigenes Unikat - egal ob Loop oder XXL-Tuch - im Konfigurator zusammenzustellen.

Webstoffe

Baumwolle (Naturfaser, Abkürzung CO oder BW)

- gewisse Steife, nicht dehnbar

- sehr hautfreundlich "kratzt nicht"

- sehr saugfähig (trocknet aber nur langsam)

- hohe Reisfestigkeit

- sehr knitteranfällig

- leider schnelles Verblassen der Farben

- optimal für Deko, Kissenbezüge, Taschen, Accessoires (aber auch Kleidung)

Gabardine

- rein oder als Mischung aus Baumwolle, Wolle, Schurwolle, Viskose, Synthetik und Elasthan

- oft bi-elastisch (in beide Richtungen dehnbar)

- fest und widerstandsfähig/strapazierfähig

- weicher Fall im Gemisch

- meist matte Oberfläche

- Verwendung für Kleidung wie Anzüge, Kleider, Mäntel und Tücher

Jacquard

- die Königsklasse der Stoffe!

- können aus Seide, Viskose, Wolle oder Synthetik (auch im Gemisch) bestehen

- Stoffe mit kunstvoll eingewebten Mustern

- mit Glanzfäden in Gold oder Silber = Brokat

- mit reliefartig erhabenen Muster = Matelassé

- für Kleidung und Tücher besser Jacquard-Jersey verwenden (dehnbar)

Gestrickte Stoffe = Maschenware

Jersey (als Oberbegriff) = Naturfaser aus Baumwolle oder Gemisch

- relativ leicht, fällt fließend

- temperaturausgleichend

- dehnbar

Man unterscheidet dabei zusätzlich:

Viskose-Jersey

- Grundeigenschaften von Jersey s.o..

- wirkt glatt und sehr fein/edel

- als Gemisch mit Elasthan wird er noch dehnbarer

- sehr saugfähig - bei Kleidung schwitzt man kaum

- Stoffdrucke haben wunderbare Farben

- optimal für Bekleidung, Tücher o.ä..

Baumwoll-Jersey

- Grundeigenschaften von Jersey s.o..

- etwas matter/stumpfer als Viskose

- als Gemisch mit Elasthan wird er noch dehnbarer

- optimal für Kleidung, Tücher o.ä..

Romanit-Jersey

- fester/schwerer Jersey

- oft mit Elasthan gemischt

- im Mix mit Viskose schwitzt man weniger

- optimal für enganliegende Kleidung, Tücher o.ä..

Strickstoffe

- voluminöser Stoff

- oft Stoffgemisch mit Wolle (kann "kratzen"), Baumwolle oder Polyester

- locker gestrickt und damit wenig Festigkeit

- super für lockere Kleidung, Tücher o.ä..

Polyester (Abkürzung PES)

- sehr reiß- und scheuerfest

- nimmt kaum Feuchtigkeit auf (schwitzen)

- knittert kaum bis garnicht

- sieht zum Teil Baumwolle, Leinen oder Seide sehr ähnlich (genau hinschauen)

Polyamid (Kunstfaser, Abkürzung PA, @Nylon)

- wie Polyester – oft beigemischt

- elastisch, knitterarm

- zB Herstellung von Nylonstrümpfen

Polyacryl (Kunstfaser, PAN oder PC)

- bauschig, wollähnlich

- elastisch, knitterarm

- zur Herstellung von Pullovern, Decken, Tüchern o.ä..


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